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Passformen

Informationen zu Konfektion, Passform, Größennormierung
und Körperideal in der Mode

Konfektionskleidung
Bis weit ins 19. Jahrhundert bleibt es selbstverständlich, dass Kleidung maßgeschneidert wird. Man beauftragt einen Schneider oder näht selbst.

1770 wird in Paris der erste größere Konfektionsbetrieb gegründet.

Ab 1789 entstehen weitere Betriebe in Paris und anderen französischen Städten.

1799 nimmt in Hamburg das erste deutsche Konfektionshaus die Arbeit auf.

1824 gründet Pierre Parissot das erste große Konfektionsgeschäft, »La Belle Jardinière« in Paris.

1836 beginnt eine Firma in Berlin mit der Serienherstellung von Mänteln.

Berlin – besonders die Gegend um den Hausvogteiplatz – entwickelt sich bald zu einem überregional bedeutenden Fabrikations- und Handelszentrum für Konfektionskleidung.

In den 1840ern werden leistungsfähige mechanische Webstühle verfügbar.

1851 erhält der amerikanische Mechaniker Isaac Singer ein Patent auf die von ihm entscheidend verbesserte Nähmaschine.

1858 wird die erste Zuschneidemaschine vorgestellt.

1863 erfindet der Amerikaner Ebenezer Butterick Papierschnitte, die sich für jede Größe einrichten lassen. Sie werden Modejournalen beigelegt.

Ab 1900 werden die Kleidergrößen vereinheitlicht, um der Textilindustrie die Arbeit zu erleichtern.

Für den Handel bleibt es lange selbstverständlich, beim Verkauf von Konfektionsware nachzuarbeiten. Niemand geht davon aus, dass ein Kleid von der Stange sofort passt.

1957 beginnen die Hohensteiner Institute in Bönningheim, Körpermaße für Kleidergrößen zu erfassen. Beauftragt hat sie der deutsche Verband der Damenoberbekleidung (heute: German Fashion Modeverband Deutschland)

Seit den 1990er Jahren werden bei der Körpermessung 3D-Bodyscanner eingesetzt.

Dass das präzisere und schnellere Maßnehmen per Bodyscan in Zukunft zu einem Wiederaufleben der Maßkonfektion auf breiter Basis führt, scheint unwahrscheinlich. Aufwand und Kosten der individualisierten Herstellung liegen zu hoch.

Konfektionsgrößen
Deutsche Damenkonfektionsgrößen errechnen sich nach der Formel: 1/2 Brustumfang minus 6 cm

Die Damengrößen 32 bis 44 gehen davon aus, dass eine Frau zwischen 164 und 170 cm groß ist.

Für kleinere Frauen gibt es die Kurzgrößen 17 bis 22, für Frauen ab 170 cm die Langgrößen 68 bis 88.

Innerhalb einer Reihe unterscheiden sich die Standard-Konfektionsgrößen einzig im Taillen-, Brust- und Hüftumfang.

Der Sprungwert liegt bei 4 cm. Er gibt an, um wie viel der Brustumfang zunehmen muss, um in die nächste Größe zu »springen« (vgl. Tabelle unten).

Die Schnittkonstruktion beruht auf einer Figur mit Normalmaßen bei Größe 38 zum Beispiel mit einem Hüftumfang von 97 cm.

60 Prozent der Frauen haben aber schmalere oder stärkere Hüften.

Die Konfektionsgrößen sind nur ein Richtwert, keine Vorschrift.

Sie unterscheiden sich deshalb von Hersteller zu Hersteller.

In anderen Ländern gelten andere Systeme: Was sich in Deutschland Größe 38 nennt, ist in Frankreich eine 40, in Italien eine 42, in Großbritannien eine 36 (oder eine 12) und in den USA eine 8.

Standard-Konfektionsgrößen Frauen (Stand Januar 2007)

Der vermessene Körper
Die heute in Deutschland üblichen Konfektionsgrößen beruhen auf Reihenmessungen. Sie stammen bei den Damen aus den 90er Jahren, bei den Herren sogar aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Die letzte Reihenmessung ergab 1994: Nur 21 Prozent der deutschen Frauen passen in Kleidung der Größen 36 bis 42.
1984 waren es noch 23 Prozent.

Durchgeführt wurden die Messungen von den Hohensteiner Instituten in Bönnigheim.

Für 2007 haben die Hohensteiner Institute eine neue Reihenmessung angekündigt.

Frauenkörper ändern sich
Frauen in Deutschland werden heute größer und schwerer als früher.

Experten konstatieren eine Tendenz zur »Tonnenform«: Die Taille verschwindet, die Silhouette wird gerader, der Frauenkörper nimmt sportlichere Formen an.

Zugelegt haben auch die Oberweiten.

»Betrug der Anteil der Frauen mit Körbchengrösse Cup A im Jahr 1983 noch über 50 Prozent, so hat sich dieser in der neusten Messung auf knapp 21 Prozent verringert. Die meisten Frauen tragen jetzt Cup C.« (NZZ Folio – Die Zeitschrift der Neuen Zürcher Zeitung Heft 02/05)

Jüngste Reihenmessungen in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden zeigen ein ähnliches Bild wie in Deutschland.

Euronorm EN 13402
1994 richtet das Europäische Komitee für Normung (CEN) in seiner Gruppe «Textilien und textile Produkte» (TC 248) die Untergruppe «Grössensystem» (WG 1 0) ein.

1998 nimmt das Gremium die Arbeit auf. Vertreten sind Abgesandte aller EU-Staaten und der Schweiz, aber auch Repräsentanten von Verbraucherorganisationen und nationaler Norminstitute.

Im November 2004 wird ein normiertes Raster von Kennmassen verabschiedet.

Die Sprungwerte von 4 cm bleiben. Bei großen Größen (ab 120 cm Brustumfang) steigt der Sprungwert sogar auf 6 cm.

Die künftige Norm unterscheidet zwischen Primärmaßen, die auf dem Etikett angegeben werden müssen, und Sekundärmaßen, die angegeben werden können.

An die Stelle der bisherigen Größenangabe in einer Zahl treten damit mehrere Maße, die ein einzelnes Kleidungsstück charakterisieren.

Je nach Art des Kleidungsstücks werden als Primärmaße angegeben: Kopfumfang, Halsumfang, Brust(korb)umfang (bei Männern), Brustumfang/Oberweite und Unterbrustumfang (bei Frauen), Taillen-/Bauchumfang, Hüftumfang, Körperhöhe, Beininnenlänge, Armlänge, Handumfang, Fußlänge, Körpergewicht.

Für Hosen reicht die Angabe der Bundweite und der Innenbeinlänge (als Primärmaße), für Kleider werden Brust-, Taillen- und Hüftweite angegeben, und so weiter.

Für bestimmte Kleidungsstücke, bei denen es nach Einschätzung der Arbeitsgruppe nicht auf eine genaue Passform ankommt, ist als Alternative eine einfache Buchstabencodierung vorgesehen, die nur auf dem Brustumfang beruht.

Entwickelt, aber noch nicht verabschiedet ist die Codierung auf den Etiketten. Sie soll aus einem Körper-Piktogramm und den Kennmaßen bestehen (vgl. Abb.).

Ob und wann die EU-Norm endgültig verabschiedet wird, ist offen.

Figurentrend: Weg vom dürren Ideal
1966
Das englische Model Lesley Hornby wird zur Mode-Ikone der Swinging Sixties. Ihre spindeldürre Figur bringt Ihr den Spitznamen ein, unter dem sie Karriere macht: Twiggy (engl. für »wie ein Zweig«).

September 2006
Die Bezirksregierung Madrid verbannt mehr als 30 Prozent der Models wegen zu geringen Gewichts von den Laufstegen der Madrider Modewoche. Hintergrund des Teilnahmeverbots sind eine Empfehlung des spanischen Parlaments von 1999 und anhaltende Proteste spanischer Verbraucherverbände.

September 2006
Auf der Messe Milano Moda Donna müssen Models auf Initiative des Verbandes der Modelagenturen (Associazione Servizi Moda – Assem) erstmals eine ärztliche Gesundheitsbescheinigung vorlegen. Die Stadt Mailand unterstützt die neue Regelung als wichtigen Schritt im Kampf gegen die Magersucht.

September 2006
FOCUS titelt: »Laufstegsperre für Hungerhaken«, CNN: »Quality, not size«

November 2006
Das brasilianische Model Ana Carolina Reston stirbt mit 21 an den Folgen ihrer Magersucht.

Dezember 2006
Gemeinsam mit dem Verband der italienischen Mode und der Vereinigung Alta Moda verabschiedet die italienische Regierung einen Ethik-Code für Modeschauen. Er schreibt u. a. vor, dass Models mindestens einen Body Mass Index (BMI) von 18 haben müssen (bei einer Größe von 1,75 cm entspricht das 56 kg Gewicht). Der Code gilt ab Januar 2007.

Januar 2007
Diane von Fürstenberg, Präsidentin der CFDA (Council of Fashion Designers of America) kündigt einen Brief an die Designer und eine Pressekonferenz während der New York Fashion Week 2007 an. Ziel: eine Kampagne gegen zu dünne Models.