Wille GmbH : Presse : Pressespiegel : TW 09/04

TextilWirtschaft vom 2. September 2004

Armani für Mollige
Groß in Großen Größen: Wille feiert 80-jähriges Bestehen

„Ja, da gibt‘s nicht mehr viele.“ Noch nicht mal ein Name fällt Klaus-Jürgen Stroppe (66) spontan ein. Nicht ein Bekleidungshersteller, der wie seine Firma seit 80 Jahren am Markt ist. Schon gar nicht in Berlin.
Als Stroppe 1960 nach seiner Ausbildung bei Hensel & Mortensen, die 2003 Insolvenz angemeldet haben, zum damaligen Damenkleider-Produzenten Wille wechselte, hatte er in der Hauptstadt die Wahl zwischen 400 Konfektionsfirmen. „Jetzt gibt es nicht mal mehr eine Handvoll“ sagt der Inhaber des Familienbetriebes nachdenklich, der mit seiner Frau das Unternehmen 1980 übernommen hat. Sieben Jahre nach der Übernahme spezialisierten sie sich auf Mode für Mollige. Christine Stroppe erinnert sich noch genau an die erste Kollektion, die sie auf einem 24 qm -Stand in Düsseldorf präsentierten. „Da wollten wir erst gar nicht alles zeigen, weil wir dachten, da kommt ohnehin keiner. Und dann haben wir geschrieben wie die Wahnsinnigen, und danach ungeduldig am Telefon gesessen und auf die ersten Nachbestellungen gewartet.“

„Wir kämpfen jede Saison neu, hinterfragen alles“, erklärt ihr Sohn Michael Stroppe. Der 27-Jährige wird jetzt richtig in die Geschäftsführung integriert. Die Tochter Christiane (23) hat noch zwei Jahre Zeit BWL-Studium vor sich, aber auch sie ist sich „fast sicher“, dass sie danach in den Familienbetrieb einsteigt. Wille hat sich die Marktnische erkämpft. Ohne Werbung, ohne Marketing, ohne Publicity. Nur über das Produkt.
Vom modischen Große Größen-Spezialisten zum so genannten Anschlussgrößen-Anbieter ab 38. Die 56 wurde schon vor zwei Jahren aufgegeben, weil die ganz Dicken ohnehin lieber im Katalog bestellen, sagt Frau Stroppe. Inzwischen verkaufen sie die meisten Modelle ihrer Hauptlinie Wille, der jüngeren sportiven Kollektion ppep. und des Business-Labels Pure Wille in den Größen 44 und 46. Etwa 60 des Umsatzes, der nach eigenen Angaben bei derzeit etwa 8 Mill. Euro liegt, macht Wille inzwischen im Ausland. „Bei unseren Partnern in der Schweiz und in Holland gelten wir als Armani für Große Größen.“ Das im breiten Markt zu kommunizieren, sich damit auch bei großen Häusern wie dem KaDeWe zu platzieren, sehen die Stroppes als größte Herausforderung für die nächsten 80 Jahre.